
Noch nie war es so schön, böse zu sein! Overlord von Triumph und Codemasters versetzt den Spieler in die Rolle eines dunklen Herrschers ala Sauron (auch das Design der Herrscherrüstung erinnert sehr stark an den Bösewicht aus Herr der Ringe mit der Bindehautentzündung).
Der Spieler läuft durch eine grüne, idyllische Welt in der es vor Schafen und Bauersvolk nur so wimmelt - ekelerregend schön das ganze. Ihm zur Seite stehen seine Minions, kleine, an Gremlins erinnernde Wesen, die auf Befehl ihres Meisters hin alles tun - Schafe töten, Halblinge abschlachten, sich selbst im Wasser ersäufen oder sich zum Wohle des Meisters in einem Lebensaltar opfern.
Wer nach dieser kurzen Beschreibung Overlord für ein sinn- und hirnloses Metzelspiel hält, der hat weit gefehlt. Overlord ist ein Spiel, das eine ausgeklügelte Taktik und viel Gespür für Strategie verlangt. Die vier unterschiedlichen Minions - braune, rote, grüne und blaue - haben gänzlich unterschiedliche Eigenschaften. So sind die Braunen die Nahkäpfer, robust und ziemlich direkt. Die Roten sind Fernkämpfer, immun gegen Feuer, können dieses verschlingen und sind sehr zerbrechlich. Im Zuge des Spielens ist es nun die Aufgabe des Spielers, mit Sammelpunkten die Horde an quirligen Wahnsinnigen zu bändigen, taktisch klug einzusetzen und dabei möglichst wenig Verluste zu verbuchen.
Der Spieler kann weiterhin seine eigene Ausrüstung - Rüstung, Waffen und Helm - verbessern, indem er sich neue schmiedet und im Zuge des Schmiedeprozesses seine Minions opfert - um so Boni zu erlangen. Eine Rüstung, bei deren Herstellung beispielsweise grüne Minions geopfert wurden, erhöht die HP Regeneration des Herrschers. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten - denn die Minions sind gleichzeitig die stärkste und wichtigste Waffe des Lords - wer zuviele opfert um sich selbst zu stärken kann seiner Streitmacht irreparablen Schaden zufügen.
Und mit einem weiteren Vorurteil räumt Overlord auf: Das Böse ist nicht hirn- oder ziellos. Mag es das Spiel zwar erlauben, alles und jeden abzuschlachten und dahinzumetzeln, so ist dies nur selten ratsam. Denn nur wer ein Volk hat, das ihn fürchtet und das er unterdrücken kann, nur der kann sich über dieses Volk auch als Herrscher erheben. Über einen Haufen Trümmer und leere Häuser zu herrschen ist nämlich nur in den seltensten Fällen erfüllend.
All diese äußerst interessanten Komponenten würzt Overlord mit einer perfekten, stimmigen Grafik, einer geradezu großartigen Vertonung (sowohl deutsch als auch englisch - und wer mich kennt, weiss, dass ich an einer deutschen Synchronisation nur selten ein gutes Haar lasse) die vor großartig-schlechten Witzen, Hohn und Spott nur so wimmelt (so meinte mein Berater “Gnarl” nach meinem Kampf gegen einen Halblinghelden etwa zu mir: “HAH! Dieser Wilfried! Das war eine Explosion. Ich glaube, da klebt noch ein Stück an eurem Helm. … Oh … sind nur Eingeweide. Behaltet sie - das bringt Glück!”) und jeder Menge verliebter, bösartig-lustiger Details. Die Minions bespielsweise, ziehen jedes nur erdenkliche Ausrüstungsteil, das sie finden, an, um so ihre Stärke zu steigern - von Schwertern über Rüstungen bis zu Kürbisen, die als Helme missbraucht werden - worüber diverse Webcartoonisten bereits geschmunzelt haben - oder lassen sich mit dem Bier der besiegten Halblinge vollaufen, um dann schamlos der drückenden Blase freien Lauf zu lassen und irgendwo in die Landschaft zu strullern.
Der Multiplayer Modus erlaubt es (leider nur) zwei Spielern, wahlweise gegeneinander anzutreten oder gemeinsam so lange als Möglich gegen eine Horde an feindlicher Monster zu überleben - allerdings wird das Spiel recht ressourcenlastig, wenn mal zwei Herrscher mit jeweils fünfzehn Minions durch die Gegend laufen und sich gegen zwanzig Gegner zur Wehr zu setzen versuchen - oder mein Rechner ist langsam etwas zu alt für solche Spiele.
Mein Fazit: Overlord ist ein Spiel, das dort ansetzt wo Dungeon Keeper aufgehört hat - es ist vollkommen verrückt und macht dabei einen heiden Spass. 8 von 10 abgetrennten Daumen nach oben für dieses Kleinod aus der Triumph-Schmiede.
Abschließend ein paar Eindrücke aus der ersten Stunden Overlord:

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