Nach einer Nacht des drüber schlafens, habe ich mich dazu entschlossen, meinem Unmut nun also doch Stimme zu geben - Steven Spielberg’s Einfluss auf den Film hat Indiana Jones für mich kaputt gemacht. Auch George Lucas möge sich hier gerügt fühlen, hatte er doch auf die Auswahl des Drehbuchs Einfluss. Und selbst Harrison Ford gilt meine Schelte - die meisten Schauspieler lesen ein Drehbuch, bevor sie ihre Zusage zu einem Film geben …
Aber gut, was hat mich denn nun so aufgeregt? Da ich die werte Leserschaft nicht spoilern möchte, werde ich den folgenden Text kaschieren - um ihn zu lesen möge man ihn mit der Maus markieren. Die Kommentare sind keine spoilerfreie Zone - falls jemand sich bemüssigt fühlt, hier seinem Zorn Luft zu machen - immer frei heraus. Für die Leute, die den Film noch nicht kennen - ihr könnt gern im gestrigen Beitrag mit mir plaudern - dort werd ichs spoilerfrei halten.
Nun also zum Kern des Pudels: <spoiler> Also: Ich bin ein Fan des Indiana Joneses Franchise, seit ich mich zurück erinnern kann - ich weiss nicht warum, aber die Filme, Spiele, sogar die beschissene Young Indiana Jones Serie - ich hab mir alles angesehen.
Es gab viele Stellen im Film, die mich schmunzeln ließen - so zum Beispiel die Stelle, als Indy seinem Sohn (von dem mans ja erst später erfährt) erzählt, dass er mit Pancho Villa zusammen gekämpft hat - oder als bei Indys Flucht aus dem Militärkomplex die Kiste zu Bruch geht und man die Bundeslade aus dem “Jäger des verlorenen Schatzes” erkennen kann … das waren witzige Ideen, um all die Indiana Jones Produkte zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Auch die Fotos von Marcus Brody und Henry Jones senior, die beide im Film schon verstorben waren - nette Ideen.
Sehr schön war auch, dass der Film bedingt durch Harrison Fords Alter, im Jahr 1957 spielte - die Nazis als Gegner gab es nicht mehr und die Panik vor dem Kommunismus, der roten Gefahr aus dem Osten, war im Film teilweise sehr deutlich zu spüren. Hier wurde bewusst kritisch mit Amerikas Geschichte umgegangen - keine allzuschlechte Sache.
Selbst über die teilweise schon unnötig übertriebenen Stunts könnte ich hinwegsehen, wobei ich einem meiner Kino-Mitgeher, dem lieben Andi, ja recht geben muss: Warum müssen es drei Wasserfälle sein, über die abgestürzt wird? Und warum muss einer davon gleich über hundert Meter hoch sein? Und warum muss sich Henry der Dritte ähnlich wie John Clayton durch den Jungel bewegen? Und was sollten die niedlichen Tierchen, die immer wieder in Großaufnahmen gezeigt wurden? Die waren doch nur dafür da, dass Frauen und das Kinder-Publikum ein entzücktes “Aaaaaaaaaaww!” von sich geben. Das sind jedoch alles Dinge, über die man wohlwollend hätte hinweg sehen können.
Aber als diese Kiste, die von den Russen gesucht wurde, dann geöffnet wurde und da ein Leichensack zum Vorschein kam, der aus Rosswell stammte, hab ich im Kopf schon vor mich hin gebetet: Keine Aliens, bitte keine Aliens … bitte bitte lasst Indiana Jones nicht zu einem weiteren müden Alien Film werden.
Aber nein, der Stephan vom Spielberg kann es ja nicht lassen - und so sehen wir etwa sechzig Minuten später nach etlichen weiteren Wink-mit-dem-Gartenzaun-Szenen das klassische Stephen Spielberg Alien in blassgrau gehalten, mit dem unförmigen Kopf und den überdimensionierten Augen … und anstatt, dass das Alien gegen Ende vielleicht einfach in einem Lichtblitz verschwindet oder so - um dem ganzen noch etwas mystisches zu lassen - startet auch noch EINE VERFICKTE FLIEGENDE UNTERTASSE?! Wo bin ich denn hier eigentlich? Indiana Jones thematisierte immer das Mystische, das Religiöse … Bundeslade, Gral, Shiva Anbetung … das war es doch, was die Filme groß gemacht hat. Die unbekannte, teilweise unheimlichen Dinge aus dem Glauben der Menschheit.
Stephen Spielberg scheint sich einer dieser Vereinigungen angeschlossen zu haben, die an allem, was unerklärlich ist, prinzipiell Aliens die Schuld geben - und das ist in seinen Filmen immer wieder deutlich spürbar.
Aber gut, leider war ja die schon erschütternde Alien Story noch nicht das einzige, was Indy zerstört hat. Nein, denn Herr Spielberg bestand auch noch darauf, aus Indiana Jones einen Kriegshelden zu machen - aber nicht nur im Krieg hat er gekämpft und dabei eine Unmenge an Orden geholt, nahain! er war sogar Geheimagent der mit Kollegen des MI6 zusammengearbeitet hat. Hier muss ich einem anderen Kumpel, dem lieben Michael, zustimmen: Warum konnte man Indiana Jones nicht den sein lassen, der er war: Ein Lehrer und Archäologe mit Hang zum Abenteurer. Bot das nicht genug Stoff für eine Hintergrundstory? Mir hats bei den ersten drei Teilen mehr als nur gereicht. Auch wenn ich zugeben mag, dass es möglich wäre, dass zur Zeit des zweiten Weltkrieges ein damals wohl Mittdreissiger noch in den Krieg eingezogen worden wäre, so hatte Indy doch schon eine reiche Geschichte - und der Charakter wäre in diesem fiktiven Universum der amerikansichen Regierung bereits hinlänglich bekannt. Ihn also an der Front einzusetzen anstatt ihn im Hintergrund als Experten für alle möglichen Themen zu haben wäre widersinnig. Und die Geheimagenten Story ist ja mal wirklich nur billig.
Ich bete inständig, dass der Film nicht nur meinen Unmut erregt und ein wohl unvermeidlicher fünfter Teil die Scharten wieder ausmerzen wird, die der vierte Teil geschlagen hat.</spoiler>
So - nun geht es mir besser. Ja, ich ging vielleicht mit zu hohen Erwartungen in den Film - aber ich habe an eine mir lieb gewonnene Franchise nun mal gewisse Ansprüche - und die wurden bei Indiana Jones IV nicht erfüllt. Wenn in Ermangelung eines Drehbuches für neunzehn Jahre keine Fortsetzung gedreht wird - und dann DAS dabei herauskommt … dann frage ich mich doch allen Ernstes, warum Stephan und Georg nicht einfach die Fate of Atlantis Story verfilmt haben. Mystisch, gut, hätte mit ein wenig herumdoktorn (Nazis durch Russen ersetzen etc.) an das Alter von Harrison Ford angepasst werden können … und gut is …
Anyway - genug des Frustes, ich lasse meinen Zorn nun an ein paar Pikten in Hyboria aus. Bis die Tage.

