Untertitel: Jute statt Plastik? BEIM ARSCH!
Bevor ich nun diese durchaus gewagte Aussage erläutere, möchte ich dem werten Leser einen Einblick geben, wie der erste Tag meiner zweiten Urlaubswoche verlaufen ist:
05:45 - Der Wecker klingelt - Ich muss meinen Gast Slyk zum Flughafen bringen.
06:00 - Der Wecker klingelt noch immer - ich erhebe mich nach viel zu kurzem Schlaf aus viel zu bequemem Bett.
06:40 - Stau auf der wiener Stadtautobahn, der Süd-Ost Tangente. Grund: leichter Morgennebel. Verständlich, dass hier maximal 5 km/h möglich sind…
08:00 - Slyk am Flughafen abgesetzt, auf den Weg nachhause gemacht.
09:00 - Kaum zuhause angekommen mit Hagel, meinem Herrn Vater, losgefahren, um die Farben für den neuen Anstrich des Flurs zu kaufen. Wir entschieden uns für Gobi - 12 und Gobi - 18, zwei Sandtöne, einer hell, der andere dunkel für die Akzente. (JA, wir haben zuviele Heimwerker-Sendungen gesehen)
09:45 - Wieder zuhause, beginnen wir damit, den auf unten stehendem Bild an der linken Wand nicht mehr zu sehenden Wandverbau auszuräumen und in andere Zimmer zu verfrachten.
14:00 - Sturmfront, mein Mütterlein, kam von der Arbeit nachhause - es wurde Mittagessen bei der lokalen Lieferpizzeria bestellt.
14:05 - Niesel, mein kleiner Bruder, kam von der Uni nachhause - es wurde bei der lokalen Lieferpizzeria angerufen und die Bestellung geändert.
16:00 - Der Flur ist endlich leer - das Ablösen der Tapete kann beginnen.
Hier möchte ich die chronologische Aufzählung der Events des heutigen Tages kurz unterbrechen um auf die “Wallpaper from Hell” näher einzugehen. In den späten siebziger Jahren war es modern, hipp und überhaupt groovy, sich ganz im Sinne der “Jute-statt-Plastik” Bewegung eine Jute-Tapete an die Wand zu kleistern. Das darf sich die werte Leserschaft wie folgt vorstellen:
Eine dünne, wirklich hauchdünne Tapete wurde mit einer zweiten Lage dünner, wirklich hauchdünner Tapete beklebt, an welcher Jutefäden befestigt waren. Das sah schick aus, hat Staub angezogen wie Sau, hat Katzen dazu veranlasst, in ungeahnte Höhen zu klettern und ist der wohl bescheidenste Dreck, um ihn jemals wieder von einer Wand zu entfernen. Und das aus folgendem Grund: Eine normale Tapete wird um sie zu entfernen leicht angefeuchtet und dann vorsichtig Bahn für Bahn von der Wand gezogen. Nicht so die Jute-Tapete. Hier muss zuerst trocken die obere Schicht der Tapete von der unteren abgelöst werden, hernach die untere Schicht angefeuchtet werden und dann mit einer Spachtel Quadratzentimeter für Quadratzentimeter von der Wand gelöst werden. Niemand, der diese durchaus unterhaltsame und abendfüllende Freizeitbeschäftigung bis dato noch nicht genießen durfte kann nachvollziehen, warum ich den Gründern der “Jute-statt-Plastik” gerne Dinge antuen würde, die selbst einen Folterknecht der spanischen Inquisition erschaudern lassen würden. Jeder, der bereits in den obig beschriebenen Genuss kam, wird mir zustimmen.
Doch fahren wir nun mit der chronologischen Aufzählung fort.
18:30 - Die obere Schicht der Wallpaper from Hell wurde entfernt.
19:00 - Der hölzerne Bogen, der den Weg ins Badezimmer zierte (im Bild an der rechten Wand ganz hinten nicht zu sehen), wurde entfernt um nicht wieder ersetzt zu werden.
22:00 - Die letzten Spuren der Wallpaper from Hell wurden beseitigt. Hagel übernahm das Anfeuchten der Tapete, wobei gute zehn Liter Wasser von jener Monster-Tapete aufgesogen wurden, während Sturmfront und meine Wenigkeit uns damit vergnügten, mit Spachteln Fitzelchen für Fitzelchen dieses Undings einer Wanddekoration zu beseitigen.
Conclusio des ersten Tages:
Ich hasse Jute. Ich hasse Tapeten. Ich hasse jede Kombination der beiden. Ich bin müde, angepisst dass meine zweite Urlaubswoche sich so entwickelt, wie ichs befürchtet hatte und will jetzt nur noch duschen und ins Bett. Aber eine frohe Kunde zum Schluss: Bis dato keine Verletzten (ausser der Wand, die hat ein paar Cuts davongetragen, welche morgen mit Spachtelmasse beseitigt werden müssen).
Hier also nun der krönende Abschluss des ersten Tages - der Flur hat im Moment einen charmant-russische kalter Krieg Flair - Gorki Park lässt grüßen, Genossen.


Feanwulf said,
10-2-2007 in 08:13:04 at 81.92.5.72Shaka - du schaffst das - und ausserdem ist die schlimmste Arbeit erledigt!
Das Farbe an die Wand schmeissen ist einfach - ABER auch genug Farbe nehmen, damit ihr nicht tausendmal drüber streichen müsst weil ihr auf preussische Art sparen wolltet ;)